Flugmotor verleiht Messe Chemnitz Flügel

28. August 2014

Messe Chemnitz setzt mit Flugzeugmotor Chemnitzer Industriekultur ein weiteres Denkmal.

Dort wo heute regelmäßig Musikfans zu den Klängen ihrer Lieblingsmusiker abheben und Messen unterschiedlichster Couleur Angebot und Nachfrage beflügeln, wurden in den 1950er Jahren Flugmotoren für Propellerflugzeuge vom Typ „Il 14“ gefertigt. Dank einer Dauerleihgabe des Sächsischen Industriemuseums Chemnitz kommt nun einer dieser Motoren – ASch 82 T – zurück in die einstige Produktionshalle 25, in welcher er ab 1957 gefertigt wurde, die heutige Messe Chemnitz. Der 14-Zylinder-Viertakt-Motor wird künftig im Foyer der Halle 1 an die wechselhafte Geschichte der Wanderer Werke und an die industrielle Entwicklung in Chemnitz erinnern. Erstmals bestaunt werden kann das eindrucksvolle tonnenschwere Relikt ostdeutscher Nachkriegsgeschichte von den Besuchern am 29. August 2014 im Rahmen des Konzerts „Stars for Free“. Schon vor den Toren der Messehalle werden Besucher an die einstige industrielle Nutzung der Halle erinnert: So konnten auf dem Messegelände insgesamt vier der einstigen acht Prüftürme für Flugzeugmotoren erhalten bleiben.

Über den Flugmotor ASch 82 T
Flugmotor ASch 82 T kam als Triebwerk in Propellerflugzeugen des Typs „IL 14“ zum Einsatz. Die Fertigung erfolgte von 1955 bis 1965 im VEB Industriewerke Karl-Marx-Stadt und ab 1957 in der eigens dafür errichteten Produktionshalle 25 auf dem Gelände der früheren Wanderer Werke. Der ASch-82 T ist ein luftgekühlter Viertakt-Otto-Motor mit direkter Kraftstoffeinspritzung. Die 14 Zylinder sind sternförmig in zwei Reihen versetzt angeordnet. Integriert in den Motorblock sind ein einstufiger Radiallader, die Kraftstoffeinspritzpumpe und das Planetengetriebe. Das Triebwerk arbeitet mit einer vierflügeligen Verstell-Luftschraube, Typ AW-50, die ebenfalls in Karl-Marx-Stadt produziert wurde. Als Kraftstoff wurde Benzin mit einer Oktanzahl von mindestens 95 verwendet. Langfristig strebte die DDR die Entwicklung einer eigenen zivilen Luftfahrtindustrie an; materielle Probleme und die Erklärung der Sowjetunion, den Bedarf an Passagierflugzeugen selbst zu decken, führten in den frühen 1960er Jahren zur Auflösung der Luftfahrtindustrie in der DDR. 1965 wurde die Produktion der Flugmotoren in Karl-Marx-Stadt eingestellt. „Die Flugzeuge dieses Typs wurden als Regierungsflieger sowie von der NVA als Transport- und Passagierflugzeuge eingesetzt. Anfang der 80er Jahre wurden sie außer Dienst gestellt und in Dresden verschrottet“, erinnert sich Messechef Michael Kynast, der während seiner Armeezeit die Motoren mit gewartet und verschrottet hat.

Pressefotos:
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Flugmotor ASch 82 T in der Messe Chemnitz
Direktorin Andrea Riedel vom Industriemuseum "übergibt" den Flugmotor an Messechef Michael Kynast