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Im Gespräch mit den Architekten

Interview mit Landschaftsarchitekt Stefan Leiste

In den kommenden Wochen werden der Rohbau des neuen Kongressbereiches sowie der Innenausbau und die Gestaltung des Vorplatzes weiter vorangetrieben. Die Arbeiten dauern noch bis Sommer 2020 an, dann soll das Carlowitz Congresscenter seine Pforten öffnen. Nachdem Anfang Dezember die Betonage der Decke des neuen Anbaus erfolgt ist, werden ab Anfang Januar 2020 die Schalungselemente der Decke abgebaut. Anschließend wird die Wand am bestehenden kleinen Foyer der Stadthalle durchbrochen, um das zukünftige Foyer des Congresscenters zu verbinden.

Im Untergeschoss des Gebäudekomplexes schreitet der Bau schon sichtbar voran: Der Orchesterprobenraum, wo einst Ensembles probten, wurde entkernt und bald entsteht hier der neue Tagungsraum „Vulcanus“. Ab Mitte Februar ist geplant, den Bereich der „grünen Oase“ – ein begrünter Glasboden im ebenerdigen neuen Eingangsfoyer - und die restliche Bodenplatte fertig zu stellen, so dass ab Mitte März der Innenausbau vorangetrieben werden kann. Am Ende der Frostperiode wird im Frühjahr mit den Arbeiten an den Außenanlagen begonnen. Wir sprachen mit Landschaftsarchitekt Stefan Leiste, der sich mit seinem Team von sLandArt aus Chemnitz um die Gestaltung kümmert.
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So sollen die Außenflächen mal aussehen. Projektierung: Adrian Calitz

Herr Leiste, was ist für die Gestaltung der Außenflächen geplant?

Die einst als Parkplatz genutzte Freifläche vor dem kleinen Saal der Stadthalle wird künftig als Vorplatz des Carlowitz Congresscenters umgestaltet. Somit ist die Schaffung von Aufenthaltsqualität für die Besucher das wichtigste funktionale Planungsziel. Aus der gestalterischen Perspektive heraus betrachtet wirkt die Freifläche als ‚erster Eindruck‘ vom Veranstaltungsort und wird damit in entsprechend hoher Qualität in Material und Gestalt errichtet.

Eine einmalige Möglichkeit, den Platz schon direkt nach Fertigstellung wie einen historisch gewachsenen Platz wirken zu lassen, ist die Integration der großen Platanen in die künftige Gestaltung. Unter diesen mächtigen Bäumen werden Hochbeete in einer an die Grundform des Stadthallenkomplexes angelehnte Gestaltung gesetzt, die den Bereich im Übergang zum öffentlichen Straßenraum gliedern und Sitzmöglichkeiten bieten. Die gesamte Ausstattung des Platzes und der Terrasse wurde, wie der Bodenbelag, extra für diesen Ort entworfen.

Gibt es neben den Platanen besondere Bäume oder Pflanzen?

Für die Neupflanzung sind verschiedene Formschnittgehölze vorgesehen. Mit ihren überwiegend weichen und dynamischen Formen schaffen sie einen markanten Kontrast zu den streng geometrischen Hochbeeten und setzen mit ihrem gepflegten Erscheinungsbild einen besonders qualitätsvollen Akzent im Stadtraum. Zur optimalen Entwicklung und Erhaltung dieser Pflanzenkomposition ist eine besondere Aufmerksamkeit notwendig.

Das gärtnerische Feingefühl zur Pflege der Pflanzen soll auf die Ansprüche einer stadtökologischen Nachhaltigkeit thematisch hinweisen.

Wie ist der zeitliche Ablauf und was wird als Erstes umgesetzt?

Die Arbeiten am Vorplatz werden nach Abschluss der Arbeiten an der Fassade und dem Ende der anstehenden Frostperiode im Frühjahr begonnen. Zunächst wird die Dachterrasse fertiggestellt. Im Anschluss wird damit begonnen, die Hochbeete im Bereich der Platanen zu errichten. Anschließend wird das Betonsteinpflaster verlegt. Den Abschluss werden die Installationen der Ausstattungen und die Herstellung der Bepflanzung bilden.

Es ist ein Schriftzug in den Grünflächen geplant – wie wird dieser umgesetzt?

Der Schriftzug soll innerhalb des großen Hochbeetes im Kreuzungsbereich Theaterstraße/Hartmannstraße errichtet werden. Auf einer Länge von über 20 Metern werden etwa ein Meter hohe, weiße Buchstaben aufgestellt, die beidseitig leuchten und somit auch in den Abendstunden auf den Veranstaltungsort Carlowitz Congresscenter hinweisen. Die Fertigstellung der Außenanlagen ist für August 2020 geplant.

Vielen Dank für das Gespräch!


 

Interview mit Architekt Peter Koch

Wir sprachen mit Architekt Peter Koch, der nicht nur aktuell federführend in der Planung aktiv war, sondern auch beim Bau der Stadthalle Chemnitz in den 1960er Jahren dabei war.
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Bau der Stadthalle zu Beginn der 70er Jahre

Herr Koch, können Sie uns kurz sagen, in welcher Funktion sie damals und heute fungierten?

Ich war zwischen 1966 und 1968 einer der Autoren im Team von Chefarchitekt Rudolf Weißer. Insgesamt waren wir vier Architekten. Beim Umbau jetzt arbeite ich mit meinem Büro gemeinsam mit dem Büro studioinges Architektur und Städtebau aus Berlin.
Sie

Sie kamen damals frisch vom Studium und waren der Jüngste im Team. Ein besonderes Erlebnis, oder?

Das war toll mit dabei sein zu können. Wir haben uns ja damals um den ganzen Komplex mit Stadthalle und Interhotel gekümmert. Das tat mir schon sehr weh, als diese Gebäude, die ja
durch das Tropenhaus wunderbar verbunden waren, durch neue Eigentümerverhältnisse
getrennt wurde.

Was ist schwieriger: Ein Neubau wie damals oder jetzt der Umbau?

Der Umbau ist schon schwieriger, weil man sehen muss, dass der Komplex mit seinem Erscheinungsbild in der Grundstruktur erhalten bleibt. Außerdem stehen uns jetzt mehr Überraschungen bevor, weil man vorher nie weiß, wie zum Beispiel die Installationen ausgeführt wurden. Das zeigt sich immer erst, wenn der Bau begonnen hat. Es gibt auch sehr viele aufwendige Arbeiten, die später zum Teil keiner sehen wird. So müssen neun Kilometer Lüftungskanäle erneuert werden. Außerdem entfernen wir über 1.700 Deckenelemente, bessern diese aus und installieren sie dann wieder.

Carlowitz steht auch gleichbedeutend für Nachhaltigkeit. Wie wurde das beim Bau berücksichtigt?

Nachhaltiger wie in diesem Objekt kann man nicht bauen. Alles, was bisher schon da ist, wird auch genutzt. Außerdem wird hier ausschließlich mit natürlichen Materialien wie Natursteinen und Glas gearbeitet. Das hält alles noch mindestens 100 Jahre.


 

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